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"Nabucco" im Staatstheater Darmstadt - BGSkulturleben war dabei...

BGSler auf goldenen Flügeln

Nebel wabern zwischen kyklopischen Säulen, bärtige Männer schälen sich langsam heraus aus dem Dunst; mit choralartigen Klängen trägt schweres Blech das Seine zur weihevollen Gesamtatmosphäre bei. Unter den Zuschauern, die im ausverkauften Staatstheater dem Ersten Akt von Verdis Nabucco lauschen, befindet sich auch ein halbes Hundert Schülerinnen und Schüler der Bachgauschule, die die Möglichkeit eines Opernbesuches im Rahmen von „BGS-Kulturleben“ klug genutzt haben. Etliche von ihnen waren schon öfter dabei, haben „Faust“ erlebt und „Carmen“; einige haben nur wenige Tage zuvor eine Führung hinter die Kulissen des Staatstheaters gemacht und sind somit zumindest mit dem opulenten Bühnenbild vertraut. Angesichts ihrer großen Gesamtzahl hat es bei den übrigen Opernbesuchern schon ein wenig Aufsehen erregt, als das außerschulische Ereignis fotografisch dokumentiert wurde („Gibt's da irgendwas Besonderes?...Ach so..Schüler“). In der Pause, bei Bionade und Salzbrezeln, wird das bisher Erlebte diskutiert und kommentiert. Die Schülerinnen und Schüler teilen sich in zwei Gruppen: In diejenigen, die sich vorher mittels Opernführer oder Wikipedia über die Opernhandlung informiert haben, und die, die dies versäumten. Letztere haben jetzt ein Problem. Irgendwie sehen sich die Akteure alle ziemlich ähnlich: Die Männer haben lange Gewänder, lange Haare und lange Bärte, die Frauen haben lange Gewänder, lange Haare und keine Bärte. Und die Handlung ist so reich an Sprüngen, überraschenden Wendungen und dramatischen Höhepunkten, dass man schon einmal die Übersicht verlieren kann.
„Ist der Nabucco jetzt lieb oder böse?“ fragt eine Schülerin.
„Also, ich habe alles verstanden,“ meint ein Schüler.
„Da sind vor allem zwei feindliche Schwestern. Die eine heißt Fenena, und die andere A... Abi....“ „-tura?“ vermutet eine Schülerin des Abschlussjahrgangs, die mit ihren Gedanken wohl schon sechs Wochen weiter ist.
Aber da ertönt schon der Gong, die Pause ist zu Ende.
Eine gute Stunde lang schaut man noch gebannt auf die große Treppe in der Bühnenmitte, auf der ständig Leute mit langen Gewändern und Bärten hinauf und hinunter schreiten. Schließlich kommt dann auch der musikalische Höhepunkt des Ganzen, der Gefangenenchor. Die Gefangenen liegen in blütenweißen langen Gewändern malerisch über die besagte Treppe drapiert und besingen die Gedanken, die auf goldenen Flügeln einherfliegen. Diese Melodie ist auch den Schülern bekannt, vereinzelt wird mitgesummt. Dann geht es ganz schnell. Nabucco entschließt sich am Ende, doch lieber lieb zu sein, und entlässt die Hebräer in die Freiheit. Plötzlich, als man schon glaubt, es sei vorbei, taucht noch einmal die böse Schwester auf („Wiehießdiedennnun?“), von der man eigentlich gedacht hatte, sie wäre schon gestorben. Sie wankt die große Treppe von links oben nach rechts unten herunter und ist dann doch tot.
Noch ein sehr schöner a-capella-Gesang, und die Oper ist aus. Frenetischer Beifall, vor allem für das Orchester. Die Schülerinnen und Schüler der Bachgauschule strömen hinaus in den wundervollen Frühlingsabend, und man kann sicher sein, dass dies für viele von ihnen nicht das letzte Kulturleben-Erlebnis gewesen sein wird.

Volker Weber

Nabucco